Warum mir meine Söhne nach dem Film „die Elternschule“ anerkennend auf die Schulter klopften und mich ihr Brief zu Tränen rührte.

Einer der letzten Sommertage im Oktober. Die Nachmittagsvorstellung im Bambi ist trotzdem recht gut besucht. „Die Elternschule“, der Film wird gezeigt. Ich sehe es als Bildungsnachmittag. Um nach dem Film diskutieren zu können, habe ich meine Söhne eingeladen mitzukommen. Es gibt keine ehrlicheren Kritiker als meine Kinder. Und, sie haben „Erziehung“ ja schon „hinter sich“. 

 

Der Film wird in diesem schönen, urigem Kino abgespielt. 

 

Ich sehe Kinder und Eltern in großer Not, Räume die mir Angst machen, Menschen ohne Hoffnung. Was ich noch sehe ist Gewalt, seelische und körperliche Gewalt. Ich sehe sie nicht nur, ich spüre sie. Beklommenheit kommt in mir hoch. 

 

Links neben mir lacht eine Frau laut über einen Witz von Herrn Langer, ein Witz auf Kosten eines kleinen Kindes in Not. Das Kind hat so unsagbaren Stress, dass es nicht mehr Essen kann. Was ist mit der Not in der Beziehung dieses Kindes? Das alles ist nicht Thema in dieser Sequenz. Thema ist nur, dass man ja wohl keine Angst vor einer Nudel haben muss. Mir wird schlecht. 

 

120 Minuten geht das so. Einzelheiten mag ich hier nicht weiter aufführen. 

 

Der Abspann läuft und ich habe Menschen um mich herum die Klatschen. 

 

Es wird nach dem Film noch diskutiert und eine Frau, die meine Beklommenheit spürt meint nur:

“nun bei den Kindern hier im Film hilft ja auch sonst nichts mehr.“ Aber ist es nicht so, dass die in größter Not gerade eine ganz andere Hilfe bräuchten? Ich habe hier nur kleine gesunde Kinder gesehen, die gebrochen werden.

 

Dass Geld in so eine Sache fließt ist für mich unbegreiflich.

 

Wir trinken noch eine Cola und beobachten sich austauschende Menschen. Es werden Informationen ausgetauscht, wo denn der „Elternfüherschein“ gemacht werden kann. Dort wollen ein paar hin. 

 

Wieder Draußen ist es schon dämmrig geworden. Wir gehen ein paar Meter und mein Großer nimmt mich plötzlich in den Arm und klopft mir auf die Schulter. DANKE MAMA!!! 

 

Am nächsten Morgen habe ich einen Brief von meinem jüngerem Sohn in der Hand. 

 

Liebe Mama, 

 

ich bin so froh eine Mama wie Dich zu haben! Eine Mama die mich bedingungslos liebt, eine Mama mit der ich über alles reden kann, fernab davon um welche Thematik es sich handelt. Eine Mama die mich schätzt und respektiert. Du machst mich stark. Euer wertschätzender Umgang macht mich zu dem Menschen der ich heute bin. Das verdient meine höchste Wertschätzung. Ganz egal was ich jemals „angestellt“ habe. Ich war immer gut! Das durfte ich bis in die Tiefe meines Herzens aufnehmen. Ich als Mensch bin wunderbar! 

 

Gestern im Kino habe ich ganz viele Dinge nicht verstanden. Ich habe nicht verstanden, dass es erlaubt ist einem Kind den Willen zu brechen. Diese kleinen Menschen haben doch gar keine Hoffnung mehr. Diese Kinder werden drei Wochen lang richtig fertig gemacht, bis sie gebrochen sind. Die sind voll durch! Als sie am Anfang noch geschrien, getreten und gespuckt haben, hatte ich noch Hoffnung für die Kinder. Als ich am Ende des Film in die ruhigen Gesichter geguckt habe, da war nichts mehr. 

Mama, es wurde nicht einmal in diesem Film gefragt warum die Kinder ihre Themen haben, warum Essen verweigert wird, warum sie Angst haben. Sie wurden nicht einmal ernst genommen, nicht gesehen. 

 

Mama, ich kenne das nicht. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Und es fühlt sich so unsagbar falsch an. 

 

xxx 

 

Die Worte und der Brief haben mich sehr berührt.

 

Querdenker, im Leben wissen, was sie möchten. Sie wissen, wie man nach einer Krise gerade weiter geht. Sie glauben an sich. Wie erreicht ein Mensch das? Muss es als Kind erst einmal gefügig gemacht werden und den Erwachsenen blind folgen? So sein wie andere es wollen? 

 

Bindungsgestörtes Verhalten wird in dem Film als positiv bewertet. Von Fachleuten! So O-Ton der Dame in der Klinik: „Je konsequenter man eigentlich mit einem Kind umgeht, desto mehr kommt das Kind auf einen zu und dann fangen die an mit mir zu kuscheln …“. Mit einer fremden Person! Ein sicher gebundenes Kind macht das nicht. Den Eltern dieser Kinder sollte lieber gezeigt werden, wie sie die Bindung zu ihren Kindern stärken können und sie nicht gänzlich zerstören. 

 

Wenn ich um mich herum schaue bin ich erschüttert darüber, dass so ein Film in Kinos gezeigt wird. Dass am Ende des Film applaudiert wird. Es macht mich so unsagbar leer und fassungslos, dass Härte und Unterwerfung das sind was gefeiert wird. Heute im Jahr 2018. 

 

 

Ich hätte da einen Vorschlag für die Partner/-innen von Herrn Langer, dem Team aus Gelsenkirchen und den Filmemachern. Die nächste Beziehungskrise kommt bestimmt. Besuchen Sie ein ausgesuchtes Boot Camp zum erlernen von willensbrechenden Maßnahmen. Die wenden Sie dann bei ihrem Partner an und …… schon ist alles wieder gut!

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Kommentare: 6
  • #1

    Aenne (Samstag, 13 Oktober 2018 12:37)

    danke, danke, danke besonders deinem sohn

  • #2

    Britti (Samstag, 13 Oktober 2018 16:33)

    Dankeschön �
    Für diese tollen Zeilen ...
    Dein Sohn ist wunderbar �

    Wir hatten gerade dieses Thema auf einem Geburtstag. Und ich war echt alleine mit meiner Meinung .. und viele sagten der Film ist gut ... Sowas braucht man heut zu Tage ... �
    Habe mich so aufgeregt, meine Tochter sagte ... Mama beruhige dich ...

    Dein Sohn hat es in seinem Brief sehr schön geschrieben ... Meine Tochter sagte auch danke �

  • #3

    Melanie (Samstag, 13 Oktober 2018 21:34)

    Danke ❤️

  • #4

    Bibi (Montag, 15 Oktober 2018 23:06)

    Vielen Dank für deine Worte auch von mir. <3 das kann es wirklich nicht sein.

  • #5

    Alexej Sesterheim (Mittwoch, 17 Oktober 2018 00:35)

    Am Samstag im Kino in München, Hans Sachs Straße, stieg die Lautstärke des Lachpegels der Zuschauer mit der Intensität des Weinens der Kinder. Ich habe laut gerufen, daß das doch ein Verbrecherfilm sei und daß die Kinder so lernen, Vergewaltigungen zu erdulden. Geanu wie bei Dir kam auch dort heftiger Beifall am Ende des Films. Hier noch, was ich gerade in der Petition schrieb: "Der Film stellt psychische und physische Gewalt gegen Kinder als heilsam dar. Er propagiert das Recht des Stärkeren gegen Schwächere und verherrlicht das dann noch als "liebevoll". Die Ansichten und Handlungen der betreffenden Klinik beruhen auf einem negativen Menschenbild, wie es auch der schwarzen Pädagogik der letzten Jahrhunderte als Denkmuster zugrundelag. Die logische Konsequenz dieser negativen Sicht auf das Neugeborene sind dann die gezeigten Methoden voller Grausamkeit und Unmenschlichkeit. Dieser Film möchte unsicheren Eltern auch den letzten Rest von Empathie für ihr Kind austreiben. ..."

  • #6

    Miriam Macek (Donnerstag, 18 Oktober 2018 22:05)

    Die Würde des Menschen jeden Alters ist unantastbar. Es ist schrecklich zu sehen, dass der Film in der heutigen Zeit so gefeiert wird von den Medien. Ein erschreckendes Bild! Ich bin wütend und geschockt.