Verkehrte Welt

Was für ein Glück für Düsseldorf, das wenigstens die Fortuna ganz weit vorne ist und uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Da haben doch zumindest die Fußballfans was zu lachen. Weniger zu lachen haben bald die kleinen Bürger der Stadt die in Tagespflege betreut werden. 

Schenken wir den Informationen der Rheinischen Post Glaube, werden ordentlich die Daumenschrauben angezogen. Nun, es muss Geld in die Kasse! Auf „Grand Depart“ gehe ich in dem Zusammenhang gar nicht ein. Zumal nicht Geisel allein für das Desaster verantwortlich ist. Es gibt sicher auch eine Sparkommision, in Dieser sitzen Vertreter aus allen Fraktionen. Nun, ausbaden dürfen es die Schutzbefohlenen der Gesellschaft.

Verkauft wird das ganze dann ganz elegant als Sparmaßnahme durch die der zahlende Bürger geschützt wird. Hier mal eine Sichtweise:

Liam ist ein aufgewecktes und lebhaftes 16 Monate altes Kind. Er kommt gerne in die Tagespflegestelle. Heute hat sein Papa angerufen und mich gebeten ihm zu melden sobald Liam aus dem Mittagsschlaf erwacht ist. Er hat spontan frei und freut sich auf einen gemeinsamen Nachmittag mit seinem Sohn. 

Punkt 13:30 kam Papi und Liam ist ihm auf seinen kleinen, wackeligen Beinchen entgegengelaufen. Man hat die Freude bei Beiden in den Augen gesehen. 

Eine What´s App von Leni´s Mama. Ihr Dienst fängt erst am Mittag an und die Beiden verbringen den Vormittag zusammen, ob es OK sei, dass Leni um 11:00 Uhr kommt? Natürlich ist das OK! Noch!

Hannah hat glasige Augen, gegen Mittag kommt Fieber hinzu. Ich rufe die Mutter an und sie hat die Möglichkeit und den Wunsch Hannah sofort abzuholen und sie zu beobachten wie sich das Fieber weiter entwickelt. Um 12:15 ist Hannah´s Mama da und das Baby sichtlich erleichtert. 

Es ist ein unglaubliches Glück, dass die Eltern die Freiheit haben diese Momente und wie sie damit umgehen, selber zu bestimmen. 

Damit soll bald in Düsseldorf Schluss sein. Demnach wird den Betreuungsstellen nur noch eine Pauschale gezahlt und die Reststunden nur noch nach schriftlich nachgewiesenen „Face to Face“ Betreuungszeiten. (tatsächliche Anwesenheit des Kindes in der Tagespflegestelle, Begriff stammt von Herrn Horn, Leiter Jugendamt Düsseldorf). Holt Leni´s Mama Leni nun um 12:15 ab, entsteht der Betreuungsperson ein finanzieller Nachteil über die restlichen Stunden.

Zur Erklärung: Eine Familie hat einen Betreuungsbedarf von 42 oder 45 Stunden. Für diese Stundenzahl entrichten sie laut Beitragstabelle einen entsprechenden Beitrag an das Jugendamt der Stadt Düsseldorf. Diese Zeit wird auch Vertraglich mit der Betreuungsstelle vereinbart. Die Betreuungsstelle richtet sich nach den vereinbarten und von den Eltern an die Stadt gezahlten Stunden. Räumlichkeiten und Personal ist für diese Zeit gebucht. Den Informationen nach erhalten die Betreuungseinrichtungen dann in Zukunft nur noch einen Pauschalbetrag ausbezahlt. Die Reststunden werden im Nachgang nach tatsächlicher „Face to Face“ Betreuung abgerechnet.. 

Jedes Kind, welches nun später kommt oder früher geht, bedeutet einen finanziellen Verlust für mich als Betreuungsperson. An meinen Fixkosten ändert sich nichts und die Eltern zahlen auch das Gleiche. Wie geht man in Zukunft damit um? 

Wie schaut das in der Realität aus? 

Wird den Eltern in Zukunft untersagt die Kinder vor Ablauf der Vertraglichen Zeit zu holen?

Werden kranke Kinder erst nach 15:00 Uhr gemeldet?

Werden Urlaubszeiten nur noch nach eigenen Schließungszeiten zu gewährt?

Und was ist, wenn die Eltern (berechtigter Weise) ihrem Wunsch nach Flexibilität nachgehen? 

Sich streiten? Die Beträge von den Eltern on Top finanzieren lassen?

Liebe Politiker, bitte überdenken Sie die Umsetzung einer solchen Bestimmung. Lassen Sie den Eltern die Flexibilität und den Kindern ein Stück Kindheit. Wenigstens für Kinder von 0-3 Jahren!

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Kommentare: 1
  • #1

    Arezoo und Udo Zeitz (Freitag, 27 Oktober 2017 12:02)

    Ihr schreibt mir aus der Seele. Die Entmündigung der Eltern muss verhindert werden. Die Eltern zu nötigen und über ihrem Wunsche "hin und wieder die gebuchte Zeit nicht in Anspruch zu nehmen" nicht zu erfüllen ist genauso unrealistisch wie auf die fehlende Kosten zu verzichten. Es ist eine unzumutbare Situation für die Voraussetzung unserer Arbeit, die unter anderem auf Vertrauen und Verständnis basiert.