Bindung - da ist so ein Band

Meine Mami, 

in Deinem Bauch war ich geborgen. Lange Monate gut versorgt durch ein stabiles, dickes Band. 

Die Nabelschnur hat mich versorgt und dafür gesorgt, dass ich mich entwickeln konnte. Ich danke Dir dafür. 

Nun bin ich auf der Welt und das Band ist nun ein Band der Bindung zu Dir und zu Papa. Die Nabelschnur ist nun durchsichtig und verbindet uns. Dieses Band sorgt von nun dann dafür, dass ich mich entwickeln kann. 

Eines jedoch kann ich nicht alleine. Dafür Sorge tragen, dass das Band immer da ist und nicht zerreißt. 

Solange ich klein bin, bin ich immer bei Dir und das Band wird dicker und fester. Wenn ich anfange zu laufen, habe ich plötzlich Angst, das Band könne zerreißen wenn es zu arg gedehnt wird. Also bitte bleib in der Nähe, ich muss Dich spüren, hören, sehen. 

Wenn Du weg gehst, dehnt sich das Band und…….. ich bin auf einmal nicht mehr verbunden mit Dir. Wo bist Du? Ich habe Angst. Wer sorgt für mich? Ich kann es doch nicht alleine. 

Da bist Du! Ich spüre wieder dieses Band und fühle mich sicher. Nun kann ich meine Umwelt wieder entdecken und mich auf mein Leben vorbereiten. Ich muss üben, wisst Ihr?

Üben, üben, jeden Tag üben. Aber üben kann ich nur wenn ich diesen Band spüre. Ich lerne klettern, spielen, traurig und wütend sein. Ich lerne die Schwerkraft kennen und das Sand nach unten rieselt. Nasser Sand ist anders als trockener, wusstest Du das? Aber das Band, das muss ich spüren, sonst kann ich nicht lernen. Ich habe Angst wenn ich es nicht spüre und denke immer zu daran. Dann ist doch die Zeit um in der ich lernen kann. 

Es gibt noch mehr Menschen zu denen ich ein Band knüpfe, Menschen die ich langsam kennen lerne und die mir gut tun. Nun kannst Du auch mal weg Mama, das Band ist auch stabil geworden, auch zu dem anderen Menschen. 

Weist Du, es ist so unheimlich anstrengend ein Band zu knüpfen, Vertrauen zu gewinnen. 

Ich lerne mein Leben von dem Menschen am anderen Ende des Bandes kennen, wusstest Du das? Ich gucke was dieser Mensch macht, wie er es macht. Was für Gefühle kommen rüber und wie reagiert er auf mich. Bin ich gut? Bin ich genug? Darf ich ich sein? Wie darf ich mich in meinem Leben fühlen? All das lerne ich von dem, der am anderen Ende des Bandes ist. 

Das Leben ist spannend, das Leben ist schön. Ich muss es erst kennen lernen. Ich speichere alles auf meiner kleinen Festplatte und da bleibt es, mein ganzes Leben lang. 

 

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